Entwässerung Grundstücksentwässerung

Rückstauschutz zur Vermeidung von Überflutungen

> zum Film Bürgerinformation zur Grundstücksentwässerung: Rückstausicherung und Überflutungsschutz

Intensive Regenfälle und Gewitterregen führen in jedem Jahr zu einer Vielzahl von gleichlautenden Beschwerden.

Wenn Keller überflutet werden und Sachschäden zu beklagen sind, geben viele Bürger den in den Straßen befindlichen Kanälen die Schuld, weil sie nach ihrer Meinung zu klein bemessen sind. Als weiterer Schluss wird hieraus gezogen, dass eine geeignete Abhilfe nur durch die Verlegung neuer, größerer Kanäle zu schaffen ist, um die in nicht unerheblichem Maße anfallenden Wassermassen schadlos abzuleiten.

Das öffentliche Kanalnetz wird vom WBH nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik so bemessen, dass das Wasser aus normalen Regenfällen problemlos abgeführt werden kann. Nur bei außergewöhnlichen, meist kurzen Starkregen, wie sie in der Regel bei heftigen Gewittern auftreten, werden die Belastungsgrenzen der Kanäle kurzzeitig zum Teil auch erheblich überschritten.

Aus technischen und auch wirtschaftlichen Gründen ist bzw. kann die Bemessung eines Kanalnetzes nicht darauf abgestellt werden, dass jede noch so große Wassermenge rasch abgeführt werden kann.

Neben Starkregen können auch betriebliche Störungen zu Rückstau im öffentlichen Kanal führen.
 
Gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik sowie § 13 Absatz 3 der Entwässerungssatzung muss sich der Grundstückseigentümer gegen Austritt von Abwasser aus allen unterhalb der Rückstauebene liegenden Öffnungen durch Rückstau aus dem öffentlichen Kanalnetz schützen. Nach der Rechtsprechung muss jeder Grundstückseigentümer für Schäden als Folge von einer Überflutung durch Kanalrückstau selbst aufkommen.

Als Höhe der Rückstauebene gilt die Straßenoberkante / Geländeoberfläche über der Anschlussstelle des Anschlusskanals an die öffentliche Abwasseranlage, wenn nichts anderes durch den WBH festgelegt wurde.

Je nach Erfordernis ist die geeignete Rückstausicherung einzubauen. Sie kann entweder passiven (z. B. Rückstauklappe) oder aktiven Schutz (z. B. Hebeanlage) bieten. Es ist darauf zu achten, dass nur die Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene abgesichert werden! Oberhalb der Rückstauebene liegende Entwässerungsgegenstände müssen jederzeit frei abfließen können!


Die in der Praxis auftretenden Probleme sind sehr vielfältig und können oftmals nur im Einzelfall geklärt werden. Zu beachten sind die DIN-Normen 1986-100, EN 12050 und EN 13564. Hier folgen einige Beispiele:

  • Bodenabläufe, wie sie beispielsweise in Waschküchen und an Kellerniedergängen vorhanden sein können, sind durch Rückstaudoppelverschlüsse zu sichern. Diese Rückstaudoppelverschlüsse bestehen aus zwei Verschlüssen, von denen einer von Hand bedient werden muss. Dieser Verschluss sollte nur bei der Benutzung des Ablaufes geöffnet und anschließend sofort wieder verschlossen werden. Damit das Schließen nicht vergessen wird, sollte in unmittelbarer Nähe des Ablaufes gut sichtbar ein entsprechendes Hinweisschild angebracht sein.
  • Fäkalienhaltiges Abwasser, das unterhalb der Rückstauebene anfällt, kann bei untergeordneter Nutzung und wenn oberhalb ein weiteres WC zur Verfügung steht, über einen Rückstauautomaten dem öffentlichen Kanal zugeführt werden.
  • Sofern jedoch einzelne Räume wegen Ihrer Nutzung absolut gegen Austreten oder Eindringen von Abwässern als Folge von Rückstau geschützt werden müssen (z.B. Wohnungen, gewerbliche Räume, Lagerräume für Lebens- und Genussmittel), ist das Schmutzwasser aus sämtlichen Abläufen unterhalb der Rückstauebene über eine automatisch arbeitende Hebeanlage rückstaufrei und drucklos (Entspannungsschacht, Freispiegelanschluss) in die öffentliche Kanalisation einzuleiten.
  • Auch Niederschlagswasser von Flächen unterhalb der Rückstauebene darf der öffentlichen Kanalisation nur über eine automatisch arbeitende Hebeanlage rückstaufrei und drucklos (Entspannungsschacht, Freispiegelanschluss) zugeführt werden. Dabei können kleine Flächen von Kellerniedergängen, Garageneinfahrten und dergleichen, falls eine Versickerung nicht möglich ist, - bei Vorhandensein eines natürlichen Gefälles – über Bodenabläufe mit Absperrvorrichtungen gegen Rückstau angeschlossen werden. Voraussetzung dafür sind geeignete Maßnahmen (z. B. Schwellen bei Kellereingängen oder Regenauffangrinnen bei tiefliegenden Garageneinfahrten), die ein Überfluten der tiefliegenden Räume durch Regenwasser verhindern, solange die Absperrvorrichtung geschlossen ist.
  • In Revisionsschächten innerhalb von Gebäuden müssen die Rohrleitungen geschlossen geführt werden. Die Reinigungsöffnung muss wasserdicht verschlossen sein, so dass sie dem bei einem Rückstau entstehenden Wasserdruck standhält.

Sollten zwischen den technischen Erfordernissen und dem Zustand Ihrer Grundstücksentwässerungsanlage Abweichungen bestehen, oder Sie sich über den Zustand Ihrer Grundstücksentwässerung im Unklaren sein, dann wenden Sie sich bitte direkt an einen Hausinstallateur oder Fachplaner, der Sie weiter informieren, eine Überprüfung Ihrer Anlage vornehmen und gegebenenfalls für Abhilfe sorgen kann.

Das Vorhandensein einer ordnungsgemäßen Grundstücksentwässerungsanlage genügt nicht. Eine regelmäßige Wartung garantiert das einwandfreie Funktionieren der Anlage.