Entwässerung Grundstücksentwässerung Planungsgrundlagen

Niederschlagswasserbeseitigung

Einleitung in die öffentliche Kanalisation

Für die Berechnung der Niederschlagswassermenge von Dachflächen ist die auf die waagerecht projizierte Fläche anzusetzen (z. B. Grundfläche des Gebäudes plus Dachüberstand). 

Die anzusetzende Regenspende erfahren Sie über die Entwässerungsmitteilung

Im Trennsystem und im modifizierten Mischsystem ist grundsätzlich ein separater Revisionsschacht für das Niederschlagswasser einzuplanen. 

Im Mischsystem dürfen Schmutz- und Niederschlagswasser innerhalb des Gebäudes nicht zusammen geführt werden. 

Liegen abflusswirksame Flächen unter der Rückstauebene, sind diese in der Regel über eine separate Hebeanlage abzusichern. 

Das öffentliche Kanalnetz kann in Teilbereichen so überlastet sein, dass eine Niederschlagswassereinleitung nur gedrosselt erfolgen kann. Die Drosselwassermenge und das maßgebliche Regenereignis wird mit der Entwässerungsmitteilung mitgeteilt. Bei Angabe der abflusswirksamen Fläche übernimmt der WBH die Berechnung des erforderlichen Retentionsvolumens. 

Bitte beachten Sie das Prinzip einer Retentionszisterne. Die Zisterne muss immer leer laufen können, so dass sich der Ablauf im Sohlbereich befindet. Wenn die Zisterne zusätzlich zur Regenwassernutzung herangezogen werden soll, ist die Retentionszisterne um das gewünschte Nutzvolumen zu vergrößern. Der Ablauf liegt dann im Übergang zwischen Retentions- und Nutzvolumen. Der Drosselabfluss wird in der Regel über eine Schlauchdrossel, die auf der Wasseroberfläche schwimmt, geregelt.

Das Datenblatt der gewählten Zisterne samt Drosselorgan ist dem Antrag auf Benutzungserlaubnis beizufügen. Es ist in der Regel auf den Internetseiten des Herstellers zu finden. 

Bitte lesen Sie auch die Informationen zu den Themen Rückstauschutz, Überflutungsnachweis, Drainage und Fremdwasser sowie Gebühren.

Überflutungsnachweis gemäß DIN 1986/100:2016-09 Kapitel 14.9 (Berechnung nach den Gleichungen 20, 21 und 22)

Bei Grundstücken mit einer abflusswirksamen Fläche von mehr als 800 m² ist ein Überflutungsnachweis gemäß DIN 1986 zu führen. Dieser dient dem Nachweis der schadlosen Überflutung des Grundstücks im Falle eines Starkregens. Die anfallenden Wassermengen müssen dabei nachweislich auf dem eigenen Grundstück zurückgehalten werden, ohne dass es zur Überflutung von Gebäuden kommt. Die Rückhaltung kann z. B. über Stauraumkanäle oder Mulden erfolgen.

Mit den Gleichungen 20, 21 und 22 wird das erforderliche Rückhaltevolumen ermittelt. Der Maximalwert aus allen Berechnungen ist das maßgebende Retentionsvolumen. Der  WBH stellt Berechnungshilfen für die Gleichungen 20 und 21 zur Verfügung. Diese Gleichungen 20 und 21 sind generell anzuwenden. Liegen Einleitungsbeschränkungen vor, sind zusätzliche Berechnungen mittels Gleichung 22 erforderlich (s. DIN 1986-100:2008-05 Kapitel 14.9.4).

Sollten die nicht überflutbaren Flächen und Dachflächen mehr als 70 % der Gesamtgrundstücksfläche ausmachen, ist die Überflutungsprüfung in Verbindung mit der Notentwässerung für das 5-Minuten Regenereignis in 100 Jahren nachzuweisen.

Da die gemessenen Regenspenden für Hagen von Nord nach Süd ansteigen, sind die Berechnungshilfen in die Bereiche Nord, Mitte und Süd aufgeteilt. Welcher Bereich für Ihr Grundstück anzuwenden ist, erfahren Sie über die Entwässerungsmitteilung. Innerhalb der Excel-Tabelle finden Sie jeweils ein Datenblatt für die Gleichungen 20 und 21. Die Berechnungshilfen finden Sie zusätzlich unter dem Kapitel Downloads.  

Einleitung in Gewässer bzw. Versickerung

Grundsätzlich ist der WBH abwasserbeseitigungspflichtig und somit auch für die Beseitigung von Niederschlagswasser, das von befestigten Flächen(sogenanntes Oberflächenwasser) abfließt, zuständig. Für Sie als Bürger besteht daher eine Überlassungspflicht, der sogenannte Anschluss- und Benutzungszwang.

Vor Aufstellung eines Bebauungsplans für ein Neubaugebiet überprüft der WBH die Möglichkeiten der Abwasserbeseitigung. Es wird ein Bodengutachten eingeholt, um die Versickerungsfähigkeit prüfen zu können. Danach wird abgewogen, wie das Neubaugebiet am besten entwässert werden kann und die Entwässerung  im Bebauungsplan geregelt wird. 

Bei bebauten Grundstücken oder Baulücken entlässt der WBH Sie auf Antrag in der Regel aus der Überlassungspflicht, wenn

A)          die Möglichkeit zur Einleitung in ein Gewässer

B)          die Möglichkeit zur gemeinwohlverträglichen Versickerung

besteht. 

Zu A:    Für die Einleitung von Oberflächenwasser in ein Gewässer bedarf es einer Genehmigung nach § 8 Wasserhaushaltsgesetz –WHG- Diese Genehmigung ist bei der Unteren Wasserbehörde zu beantragen. 

Zu B:    Die Versickerungsmöglichkeit Ihres Baugrundstücks müssen Sie selbst überprüfen bzw. durch einen Gutachter überprüfen lassen. Bitte nehmen Sie vorab Kontakt mit der Unteren Wasserbehörde auf. Die Kollegen können Ihnen entspr. Hilfestellung leisten und erteilen auch die erforderliche wasserrechtliche Genehmigung gemäß § 8 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) oder erklären die Gemeinwohlverträglichkeit der geplanten Versickerung.

Damit eine Versickerung genehmigt bzw. ihr zugestimmt werden kann, muss der Boden auf Ihrem Grundstück versickerungsfähig sein. Die Grenze zwischen einem durchlässigen und einem undurchlässigen Boden liegt bei da. 1*10-6 m/s (Quelle: DWA-A 138, 3.1.3). Der nötige Abstand der Versickerungsanlage zu ihrem eigenen Gebäude berechnet sich gemäß DWA-A 138, 3.2.2 aus der 1,5fachen Multiplikation der Fundamenttiefe Ihres Hauses. Zudem darf das Nachbargrundstück nicht von Ihrer Versickerungsanlage beeinträchtigt werden. Die Untere Wasserbehörde der Stadt Hagen gibt hierfür einen Abstand von 3 m zur Nachbargrundstücksgrenze vor. Auch die Topographie (Neigung) des Grundstücks spielt hier eine Rolle. Bitte suchen Sie auch hierfür das Gespräch mit der Unteren Wasserbehörde.

 

Versickerung über Ökopflaster

Wenn Sie befestigte Flächen (z. B. Einfahrten, Parkplätze, Zuwegungen etc.) entsiegeln bzw. wasserdurchlässig gestalten, haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen auch die Möglichkeit, sich für diese Teilflächen von der Niederschlagsentwässerungsgebühr befreien zu lassen.

Hierbei handelt es sich um wasserdurchlässiges Material, das die Versickerung von Niederschlagswasser ermöglicht.

Es müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Versickerung funktionieren und somit die Gebühr erlassen werden kann. 

Die Versickerungsleistung des Ökopflasters muss höher sein als der örtliche Bemessungsregen, der 10 Minuten lang statistisch alle 5 Jahre auftritt (DWA- A 138).

Dies entspricht einer Regenspende von 270 l/(s x ha).

Der Boden muss das Niederschlagswasser auch aufnehmen und weiterleiten können. Daher muss er einen Durchlässigkeitswert kf  von mindestens 5,4 x 10-5 m/s aufweisen. Das Gleiche gilt für den erforderlichen Unterbau.

Der Abstand zwischen dem höchsten natürlichen Grundwasserstand und der Geländeoberkante muss größer als 1,50m sein bzw. die Unterkante der Versickerungsanlage größer als 1,0 m. Der jeweils ungünstigere Wert ist maßgebend.

Das Merkblatt für wasserdurchlässige Befestigungen von Verkehrsflächen schreibt vor, dass das Grundstücksgefälle maximal 5% betragen darf (Merkblatt für wasserdurchlässige Befestigungen von Verkehrsflächen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen). 

Bitte beachten Sie, dass die Ableitung von Wasser auf fremde bzw. öffentliche Flächen nicht gestattet ist. Sollte also die Topographie oder die Bodendurchlässigkeit nicht den o.g. Werten entsprechen, ist Ökopflaster für Ihre Zwecke nicht geeignet. Auf den Einbau einer geeigneten Entwässerungsmöglichkeit, z. B. einer Entwässerungsrinne, ist zu achten. 

Ökopflaster kann seine guten Versickerungseigenschaften auf Dauer nur beibehalten, wenn es nicht verschmutzt, bzw. regelmäßig gereinigt wird. Bitte beachten Sie hierzu die Vorgaben des Herstellers. Generell ist die Durchlässigkeit abhängig von dem Verschmutzungsgrad des Belages. Hier spielen die Flächennutzung (z. B. Eintragung von Feinpartikeln) und die Lage bzw. Vegetation der angrenzenden Flächen (z. B. Vermoosung) eine große Rolle.