Entwässerung Grundstücksentwässerung Dinge, die nicht ins Abwasser gehören

Arzneimittel

Bislang können ca. 150 verschiedene Arzneimittel in Gewässern und im Grundwasser nachgewiesen werden. 23 Stoffe hat man bisher in Trinkwasserproben gefunden. Hier ist mit einem Anstieg zu rechnen, da wir immer älter werden und mehr Medikamente benötigen. Aber wie gelangen die Arzneimittel ins Gewässer?

Arzneimittel sind auf Stabilität ausgelegt, damit sie im menschlichen Körper auch dort in ausreichender Menge ankommen, wo sie gebraucht werden. Der Körper scheidet den Wirkstoff dann größtenteils über den Urin wieder aus. So gelangen die Arzneimittel ins Abwasser und so in die Kläranlagen und Gewässer. Denn die im Körper gewünschte Stabilität eines Wirkstoffes erschwert gleichzeitig den biologischen Abbau auf der Kläranlage. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Arzneimitteln. Einige lassen sich sehr gut in der Kläranlage entfernen, manche teilweise und andere kaum oder gar nicht.

Dann gelangen die Arzneimittel in die Gewässer, können den Weg ins Grundwasser finden und weiter über das Trinkwasser zurück zum Menschen gelangen. Die Konzentration nimmt dabei natürlich immer weiter ab.

Ist das für den Menschen schädlich?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist 2012 zu dem Ergebnis gekommen, dass der bei lebenslangem Genuss von belastetem Trinkwasser keine konkrete Gesundheitsgefahr besteht. Die Arzneimittel liegen in extrem niedrigen Konzentrationen von wenigen Nanogramm pro Liter Trinkwasser vor, d.h. sie sind 100 – 1.000.000 Mal niedriger als eine empfohlene Tagesdosis eines Medikaments.

Bestehen Gefahren für die Umwelt?

Die in Gewässern vorkommenden Konzentrationen entsprechen etwa 5 Stück gelösten Würfelzucker im Wannsee. Trotzdem können Wasserlebewesen gefährden. Der Wirkstoff der Antibabypille trägt nachweislich zur Verweiblichung von männlichen Fischen bei, insbesondere in der Nähe von Kläranlagenabläufen. Psychopharmaka lösen Verhaltensänderungen aus, andere Arzneimittel schädigen die Organe von Fischen. In der Regel sind Pflanzen und Tiere nicht nur einem Stoff ausgesetzt sondern einem ganzen Cocktail. Verschiedene Arzneimittel mit gleicher Wirkung können den Effekt stark verstärken. In dieser Richtung besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.

Was kann getan werden?

Die Gesetzeslage bietet aktuell noch wenig Handlungsmöglichkeiten, weil noch keine Grenzwerte für die Einleitung von Arzneimittelrückständen existieren. Langfristig sind die Hersteller gefragt, sogenannte „Grüne Arzneimittel“ zu entwickeln und / oder bestehende Arzneimittel so in ihrer Molekularstruktur umzubauen, dass sie besser biologisch abbaubar werden.

Mittelfristig können Kläranlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe umgerüstet werden. Diese sogenannte 4. Reinigungsstufe kann aber auch nicht alle Arzneimittel entfernen. Röntgenkontrastmittel werden beispielsweise fast nicht reduziert. Allerdings kann man trotzdem die Reinigungsleistung von Kläranlagen stark verbessern, da ja nicht nur die Arzneimittel reduziert werden. Zurzeit gibt es in NRW auch hier noch keine gesetzlichen Vorgaben, aber es laufen derzeit einige Versuchsanlagen.

Was können Sie tun?

Ja, auch Sie können mithelfen, den Eintrag an Arzneimitteln ins Gewässer zu verringern.

1.    Arzneimittel sparsam einnehmen
     Überlegen Sie bitte zuerst, ob Sie ihre Beschwerden nicht ohne Arzneimittel lindern können. Oft gibt es hier genauso wirksame und vielleicht 
     sogar schonendere Therapien. Ihr Arzt oder Apotheker können Sie dazu beraten.

2.    Kontrollieren Sie ihren Arzneimittelschrank bevor Sie zum Arzt gehen. Dann können Sie ihn über gültige Restbestände eines Medikaments  
     informieren, bevor er ein neues Rezept ausstellt.

3.    Legen Sie bitte keine unnötigen Vorräte an Arzneimitteln an. Kaufen sie immer die kleinste Packungsgröße, die zur erfolgreichen Behandlung
     ausreicht.

4.    Entsorgen Sie abgelaufene und nicht mehr benötigte Arzneimittel richtig.