Entwässerung GIS und Kanalzustand

Kanalzustand

Bereits in den 1980er Jahren wurde bei der Stadtentwässerung Hagen ein Kanalinspektions-fahrzeug (Kanalfernauge) zur Überprüfung des Kanalnetzes eingesetzt. Mit der Teilnahme am Pilotprojekt zur Zustandserfassung und Sanierung von Kanalisationen ab 1990 wurde die flächendeckende Kanalzustandsüberprüfung des Kanalnetzes durch die zusätzliche Beauftragung von Fremdfirmen forciert. Im Rahmen dieses Projektes entstand eine erste Kanaldatenbank in der neben den Stammdaten des Kanalnetzes auch die Zustandsdaten verwaltet und ausgewertet werden.

Die Steuerung der flächendeckenden Inspektion orientiert sich maßgeblich an den rechtlichen Rahmenbedingungen wie z.B. Schutz von Wasserschutzgebieten, der Abarbeitung der vorgegebenen Untersuchungslängen aus der seit dem 16. Januar 1995 geltenden SüwVKan (Selbstüberwachungsverordnung Kanal), wonach im Anschluss an die Ersterfassung jährlich 5% der Kanäle und Schächte, das gesamte Netz aber alle 15 Jahre auf den Zustand zu überprüfen sind und den Anforderungen aus der hydraulischen Entwässerungsplanung.

Flächendeckende Untersuchungen erfolgen überwiegend in den Einzugsgebieten, für die eine hydraulische Neuberechnung vorgesehen ist. Dies gewährleistet, dass ggf. erforderliche bauliche Sanierungen auch den aktuellen hydraulischen Anforderungen entsprechend durchgeführt werden können.

Alle bei der Untersuchung aufgenommen Daten werden im Nachgang unter Verwendung des aufgezeichneten Videomaterials ausgewertet, Schäden bewertet, die Haltungen und Schächte aufgrund des baulichen Zustands klassifiziert und mögliche Sanierungsverfahren vorgeschlagen.

Sind die Untersuchungen eines Gebietes abgeschlossen und bewertet, werden die Ergebnisse den planenden Ingenieuren zur weiteren Bearbeitung, d.h. Zusammenführung der baulichen Zustandsdaten mit den hydraulischen Anforderungen, übergeben. Die Ergebnisse finden anschließend Eingang ins ABK (Abwasserbeseitigungskonzept bzw. werden der Bauabteilung zur Abarbeitung übergeben. So werden beispielsweise schwerwiegenden Einzelschäden von dort im Rahmen eines Jahresunterhaltungsauftrages kurzfristig behoben ohne erst in irgendwelche Konzepte aufgenommen zu werden.

Neben der Schadensbeseitigung in offener Bauweise werden Schäden auch durch Renovations- oder Reparaturmaßnahmen von Innen beseitigt.

Neben der Verwendung der Daten für die Umsetzung der Aufgaben im Rahmen der Abwasserbeseitigungspflicht sind die Informationen zum Kanalzustand auch bei der Abstimmung von geplanten Baumaßnahmen anderer Versorgungsträger oder der Straßenunterhaltung von Bedeutung. Durch diese Zusammenarbeit wird ein mehrfaches Aufreißen der Straße verhindert.

 

Die Darstellung verdeutlicht, dass 75% des Hagener Kanalnetzes keine oder nur leichte Schäden aufweist. Nicht fachgerecht angeschlossen Abzweige und Stutzen stellen die größte Zahl der Schäden dar. Weiter treten beispielsweise Risse, Scherbenbildungen, fehlerhafte Rohrverbindungen, Wurzeleinwüchse,  Korrosion oder Fremdwasserzuflüsse auf.  Als Folge dieser Schäden können die Standsicherheit verschlechtert, bei undichten Kanälen durch Exfiltration das Grundwasser belastet oder durch Infiltration ein erhöhter Betriebsaufwand an den Sonderbauwerken und bei der Abwasserreinigung entstehen, was zu Kostensteigerungen führen kann.
Aufgrund des Erneuerungs- und Sanierungsaufwandes des WBH nehmen die Schäden der ZK 0 und 1 ab. Dem gegenüber zeigen die Ergebnisse von Nachuntersuchungen, dass das Netz einem Alterungsprozess unterliegt und Schäden sich verändern. Dies führt kontinuierlich zu Verschiebungen innerhalb der Zustandsklassen.
Auffallend ist bei der Altersverteilung der schadhaften Kanalhaltungen, dass häufig die in den Jahren 1950-1969 gebauten Haltungen Schäden aufweisen. Dies ist vielfach auf den großen Baubedarf nach dem 2. Weltkrieg und die zur Verfügung stehenden Qualität der Baumaterialien oder Fehler bei der Bauausführung zurückzuführen.