Bau Kanal- und Gewässerbau

Abwasserbeseitigungskonzept (ABK)

Eine Kommune ist nicht frei in der Festlegung ihrer Maßnahmen zur Erhaltung des Kanalnetzes. Jede Kommune hat für jeweils 6 Jahre ein sogenanntes Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) aufzustellen. In ihm wird gegenüber der Bezirksregierung Rechenschaft über die Abwicklung der Maßnahmen des letzten Zeitabschnitts abgegeben und ein Ausblick über die geplanten Maßnahmen der nächsten Jahre, unterteilt in 3 Zeitabschnitte von 6 und 7 Jahren, und den Zeitraum danach. Es versteht sich von selbst, dass der Detaillierungsgrad sinkt, desto weiter man in die Zukunft plant. Das Abwasserbeseitigungskonzept wird vom WBH aufgestellt und muss anschließend vom Rat der Stadt Hagen verabschiedet werden, bevor es der Bezirksregierung zur Zustimmung nach § 58.1 Landeswassergesetz (LWG) zugesandt wird.

Benutzungserlaubnis

Die Benutzungserlaubnis regelt die Anbindung des privaten Anschlusskanals an die öffentliche Abwasseranlage und die Einleitung der auf dem Grundstück anfallenden Abwässer.

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Druckgefälle

Kann das Abwasser nicht mehr im Freispiegelgefälle (s. dort) abgeführt werden, steigt die Wasseroberfläche in den Schächten über den Kanalscheitel und das Abwasser wird mit mehr oder weniger starkem Druck durch den Kanal gedrückt. Mit Ausnahme von geplanten Druckleitungen (s. dort) werden die Kanäle in Hagen für einen Abfluss im Freispiegelgefälle geplant. Druckgefälle tritt in der Regel dort auf, wo sich die angeschlossene Fläche gegenüber dem Zeitpunkt der Erstellung des Kanals erheblich vergrößert hat. Wenn man bedenkt, dass einige Kanäle ein Alter von 100 Jahren haben, kann man sich vorstellen, dass die heutige Entwicklung im Sinne von Vergrößerung als auch Verdichtung der Bebauung damals noch nicht absehbar war.

Ist die Größe des Druckgefälles in Verbindung mit dem Wasserspiegelanstieg nicht mehr zu vertreten, müssen die entsprechenden Kanalhaltungen erneuert werden.

Druckleitung

Muss das Abwasser entgegen der Erdanziehungskraft bergauf abgeführt werden, wird die dafür erforderliche Kraft mittels einer Pumpe erzeugt. Die dahinter liegende Leitung wird Druckleitung genannt.

Düker

Bei Kreuzungen von Kanälen mit anderen Leitungen und Gewässern wird der Abwasserkanal unter diesen Leitungen bzw. Gewässern durchgeführt, um anschließend wieder auf das Ursprungsniveau gehoben zu werden. Das dafür erforderliche Bauwerk wird Düker genannt.

Emission

Jegliche Art der Abgabe von Stoffen, Energien und Strahlen an die Umgebung durch eine bestimmte Quelle wird als Emission bezeichnet. Häufig handelt es sich dabei um die Abgabe von Schadstoffen bzw. Schadenenergien. 

Entwässerungsentwurf

Ein Kanalnetz kann nicht punktuell betrachtet werden. Es ist immer ein Zusammenwirken eines ganzen Netzes. Solch ein Netz kann aufgrund funktionaler Zusammenhänge in Teilnetze unterteilt werden, die rechnerisch in einem sinnvollen Umfang nachgewiesen werden. Diese Nachweise von Netzen werden in Entwässerungsentwürfen dargestellt und müssen der Bezirksregierung zur Zustimmung nach § 58.1 LWG vorgelegt werden. Ein Entwässerungsentwurf enthält einen Erläuterungsbericht, Berechnungen zum Netz und zu Einzelbauwerken, zeichnerische Darstellung der Ergebnisse in Lageplänen, Längsschnitten und Bauwerksplänen.

Entwässerungsmitteilung

Durch die Entwässerungsmitteilung wird die entwässerungstechnische Erschließung eines Grundstücks festgestellt. Sie ist Bestandteil des Antrages auf Benutzungserlaubnis.

Felddrainage

Röhrensysteme, die das Oberflächenwasser nach starken Niederschlägen sammeln, um es Sickergräben oder Oberflächengewässern zuzuleiten.

Freispiegelgefälle

Im Gegensatz zu einer Druckleitung fließt das Wasser mit „Freispiegelgefälle“ von einem höheren Punkt zu einem tieferen Punkt allein durch die Kraft der Erdanziehung ohne den Einsatz einer Pumpe, wie bei den Druckleitungen.

Generalentwässerungsplan

Siehe auch Entwässerungsentwurf. Ein Entwässerungsentwurf für das gesamte Einzugsgebiet einer Kläranlage wird Generalentwässerungsplan genannt. In diesem werden in der Regel nur die Hauptsammler und die wichtigen Bauwerke im Netz nachgewiesen.

Grunddienstbarkeit

Die Grunddienstbarkeit gewährt dem Berechtigten bestimmte Nutzungsrechte an einem fremden Grundstück, z.B. das Recht, einen Kanal zu verlegen und zu unterhalten. Für die Grunddienstbarkeit ist deren Eintragung im Grundbuch zwingende Voraussetzung.

Immission

Immission ist die Einwirkung der emittierten Schadstoffe auf Pflanzen, Tiere und Menschen sowie Gebäude, nachdem sie sich in der Luft, dem Wasser oder dem Boden ausgebreitet oder auch chemisch oder physikalisch umgewandelt haben. 

Jährlichkeit

Mit der Jährlichkeit wird ein Zeitabschnitt bezeichnet, in dem ein bestimmtes Ereignis erreicht bzw. überschritten wird.

So ist ein 2-jährliches Regenereignis ein Ereignis, dass einmal in 2 Jahren erreicht bzw. überschritten wird.

Kanalhaltung

Ein Kanalabschnitt zwischen zwei Schächten wird Kanalhaltung genannt.

Kanalzustandskataster

Hier werden aus den turnusmäßigen Kamerabefahrungen des Kanalnetzes die Schäden in eine Datei übernommen, beurteilt und in Abhängigkeit von der Schwere des Schadens eingestuft.

Kleinkläranlagen

Eine Kleinkläranlage dient der Behandlung von häuslichem Schmutzwasser eines oder mehrerer Grundstücke (max. 50 Einwohner) außerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile.

Mischsystem

In einem Mischsystem werden das häusliche und gewerbliche Abwasser gemeinsam mit dem Niederschlagswasser in einem Kanal zur Kläranlage abgeführt.

Modifiziertes Entwässerungssystem

Bei einem modifizierten Entwässerungssystem wird immer ein Abwasserstrom mit geringem Reinigungsbedarf abgekoppelt und möglichst ohne weitere Behandlung abgeleitet. Bei einem modifizierten Mischsystem würde z.B. unverschmutztes Niederschlagswasser von Dachflächen vom Mischwasserkanal abgekoppelt und direkt einem Gewässer zugeführt oder versickert werden, während das verschmutzte Niederschlagswasser zusammen mit dem Schmutzwasser der Kanalisation zugeführt wird.

Regenklärbecken

Regenklärbecken haben im Trennsystem die gleiche Funktion wie Regenüberlaufbecken und Stauraumkanäle im Mischsystem.

Regenrückhaltebecken

Regenrückhaltebecken dienen im Misch- und Trennsystem der Drosselung der weiterführenden Abwassermenge.

Regenspende

Die Regenspende gibt an, wie viel Regen pro Fläche und Zeiteinheit bei einer bestimmten Jährlichkeit gefallen ist. Die Regenspende für einen 15-Minuten-Regen der Jährlichkeit 1 beträgt für den Hagener Norden 97 l/s x ha.

Regenüberlauf

Ein Regenüberlauf stellt ein Sonderbauwerk im Mischsystem dar, das den weiteren Abfluss zur Kläranlage auf einen vorher in der Schmutzfrachtberechnung bestimmten Wert abdrosselt. Die darüber hinausgehende Abwassermenge wird direkt in ein Gewässer abgeschlagen.

Regenüberlaufbecken, Stauraumkanal

Hierbei handelt es sich um Bauwerke mit Speicherkapazität im Mischsystem, die einerseits den Abfluss zur Kläranlage stärker drosseln als ein Regenüberlauf (s. dort), andererseits durch ihre Speicherkapazität eine mechanische Absetzwirkung erzielen, bevor der Überlauf in ein Gewässer anspringt. Regenüberlaufbecken und Stauraumkanal unterscheiden sich lediglich in ihrer baulichen Ausbildung.

Schmutzfrachtberechnung

Das in den Kanälen abgeleitete Abwasser wird nicht wie bei gesammeltem Abfall auf einer Deponie entsorgt, sondern der Natur wieder zurückgegeben. Hierfür muss es natürlich ausreichend „rein“ sein, um die Natur nicht in einen Kollaps zu führen. In der Entwässerung spricht man bei den Verunreinigungen, die in die Gewässer eingeleitet werden, von der sogenannten Schmutzfracht. Da eine Betrachtung aller Inhaltsstoffe den Rahmen eines Nachweises sprengen würde, wird stellvertretend für alle potentiellen Inhaltsstoffe der chemische Sauerstoffbedarf (CSB) untersucht. In der sogenannten Schmutzfrachtberechnung wird für jedes Kläranlageneinzugsgebiet nachgewiesen, dass die aus der Einleitung von Abwasser resultierende Schmutzfracht unterhalb der zulässigen Schmutzfracht liegt, bzw. mit welchen baulichen Maßnahmen die Einhaltung der zulässigen Schmutzfracht erzielt werden muss.

Sielhaut

Bewuchs an den Wandungen von Entwässerungssystemen (Rohren und Bauwerken). Sielhaut besteht zum überwiegenden Teil aus toter und lebender Biomasse (Biofilm) sowie aus anorganischen Bestandteilen.

Sonderbauwerke

Einzelbauwerke in einem Kanalnetz mit bestimmten Funktionen.

Siehe auch Düker, Regenklärbecken,  Stauraumkanal, Regenüberlauf, Regenrückhaltebecken  und Regenüberlaufbecken.

Stauraumkanal

Siehe Regenüberlaufbecken, Stauraumkanal

Submission

Formelles Verfahren zur Öffnung von eingegangenen Angeboten nach Fristablauf einer öffentlichen bzw. beschränkten Ausschreibung

Trennsystem

In einem Trennsystem wird das Schmutzwasser in einem eigenen Kanal der Kläranlage zugeführt, während das Niederschlagswasser auf kurzem Wege in das nächstmögliche Gewässer eingeleitet wird.

Vorfluter

Technischer Ausdruck für Gewässer

Wirtschaftsplan

Ein Kommunalunternehmen, wie der WBH, hat vor Beginn eines jeden Wirtschaftsjahres einen Wirtschaftsplan aufzustellen. Dieser besteht aus dem Erfolgsplan und dem Vermögensplan. Ihm sind ein Stellenplan sowie eine Stellenübersicht beigefügt.

Der Erfolgsplan muss alle voraussehbaren Erträge und Aufwendungen des Wirtschaftsjahres enthalten.

Der Vermögensplan muss mindestens alle voraussehbaren Einnahmen und Ausgaben des Wirtschaftsjahres enthalten.

Daneben ist hinsichtlich der Entwicklung der Ausgaben und der Deckungsmittel des Vermögensplanes ein 5-jähriger Finanzplan vorzulegen.

Alle Bestandteile des Wirtschaftsplanes (Erfolgsplan, Vermögensplan und Stellenübersicht) und der Finanzplan sind mit weiteren Erläuterungen versehen, so dass dort ergänzende Informationen entnommen werden können.